Neues aus dem Gegenerde Lokus, Folge 2:

Gabs auf Gor…

Oder: Warum all diese politcal correctness?

Zasta hat die Vorlage gegeben:

“Jeder Hannes und Kasper weiß, dass es den Sklavenplaneten gibt, wie das Sonnensystem aufgebaut ist, kann Lesen und Schreiben und ist ein kleiner Sozialrevolutionär, der statt dem eingefahrenen Stillstand, wie er in nun bald dreißig Büchern immer wieder als gortypisch verkauft wird, eine dynamische, offene, multikulturelle Gesellschaft predigt, in welcher jeder ständig vom Sklaven zum Ubar werden kann – und nicht etwa nur umgekehrt! Gerade das Restriktive ist es doch, das Gor ausmacht.”

Die Feststellung ist zwar irgendwie alt, ist aber noch immer brandaktuell.

“Gab es auf Gor…”  ist eine Formulierung, die mir immer wieder OOC vor die Füsse fällt. Im Grunde genommen eine Banalität, aber vielleicht auch der Kasus Knacktus für manche Missverständnisse von vielen Spielern. Wie Zasta schon schrieb, ist ein Merkmal von der Fantasywelt Gor ein gewisser Stillstand, der mindestens seit 29 Romanen, geschrieben über ein halbes Jahrhundert, stattfindet. Auch muss man sich bei dem Gedankengang bewusst sein, dass Gor aktuell ist, und nicht in der Vergangenheit spielt. Die Ereignisse von dem zuletzt erschienenen Band 29 müssten also demnach im Jahr 2010 stattfinden, und nicht irgendwann in der irdischen Antike.

Die OOC Argumentation vieler, Gor müsste sich doch logischerweise zwischenzeitlich mal weiterentwickelt haben, weil das wäre ja mit jeder Gesellschaft so, zerbröselt so aber völlig:

1. Es wird keine Geschichte aus der Vergangenheit erzählt, sondern eine, die parallel verläuft

2. Die Welt Gor wird von einer ausserirdischen Macht kontrolliert. Die klassische Deus Ex Machina eben.

3. Als Fantasywelt ist Gor ein Wunschkonzert. Das Wunschkonzert des Romanautors. Nicht das der Spieler. Es besteht keinerlei Anspruch auf Logik oder Realismus.

Unterm Strich, wenn man sich die Grundthematiken der 29 Romane einfach mal oberflächlich anschaut, läuft es immer auf das gleiche hinaus. Die Männer herrschen, die Frauen sind glücklich (versklavt), und alles hat seine alte Ordnung. So wie es der Autor will. Für Revoluzzer ist da absolut kein Platz, warum auch? Warum soll man denn aus Gor was anderes machen? Was ist denn daran “schön”? Warum sucht man sich denn nicht einfach ein passenderes Rollenspiel? Gut, einer der Gründe dafür könnte in SL sein, dass im Vergleich zu Gor andere Rollenspiele einfach viel kleiner sind. Die meisten Leute tummeln sich auf Gor. Noch. Aber das ist ein anderes Thema.

Also, nix mit “Gabs auf Gor…?”, nix mit Vergangenheit. Frei nach Mel Brooks: “Wir sind jetzt im jetzt!”

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf vieles andere. Gerade das beliebte Kopieren von Erdenkulturen wird etwas kniffeliger. Torvaldsland Spieler übernehmen ja gerne die Antike der irdischen Wikinger bis ins kleinste Detail. Soweit mir bekannt, wurden irgendwann von den Kurii eine Horde Wikinger von der Erde nach Gor gebracht. Muss wohl ein paar tausend Jahre her sein. Wer mag nachlesen? Ich halte es aber für extrem unwahrscheinlich, dass diese beiden nun voneinander getrennten Kulturen, in so detailierten Dingen wirklich exakt die gleiche Entwicklung genommen haben.

Natürlich wäre Torvaldsland RP mit den in dem Roman beschriebenen Dingen wirklich fad und etwas zu simpel. Nur wo ist denn nun die Grenze vom erlaubten? Sollte man da nicht mit etwas Vorsicht herangehen? Wer bestimmt aber nun, wieviel Vorsicht angebracht ist? Der, der am lautesten schreit? Oder der, der zufällig den Spass (die Sim) bezahlt?

Es gibt viele Dinge, die sollte man doch besser vielleicht einfach sein lassen. Im ersten Moment bereichern sie vielleicht direktes Rollenspiel zwischen einzelnen. Im nächsten Moment sind sie globale Wahrheit, obwohl sie auch auf einmal nicht mehr im Kontext des Autors der Romane stehen. “Aber der widerspricht sich doch auch ständig” ist da auch kein zulässiges Argument. Der darf sich widersprechen. Ist seine Welt. Der darf alles.

Blah

Advertisements